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Mittwoch, 2. April 2014

Worum es geht

Worum es geht - Photo by Ziege

Ich schließe meine Augen für einen Moment. Die Zeit droht mir stetig zu verrinnen, doch ich nehme es in Kauf. Ich will Klarheit finden und gebe mich meinen Träumen hin. Ich finde mich wieder dort unten am See. Die Sonne liegt tief im Horizont, das Wasser rauscht und kaum ein Boot ist mehr zu sehen. Die Nacht steht kurz bevor und doch scheint es, als würde die Zeit an diesem Ort für einen Moment still stehen. Der Platz unter den Bäumen ist mir ein bekannter, denn ich teilte ihn für eine Sommernacht. Ich lege mich ans Ufer, meine Füße im Wasser und blicke dem Himmel entgegen. Ich sehe in die Sterne und entsinne mich. Ich hatte nur einen Wunsch, an diesem Ort auf dem Hügel. Und doch erschienen mir Sternschnuppen, um ein ganzes Leben voller Wünsche zu erfüllen. Nur einen Wunsch, trug ich in mir und schließlich zu Ihnen hinauf.

Die Lichter der Sterne verschwimmen sogleich. Sie formen sich zu einem Weg, den ich einsam beschreite. Am Wegrand bilden sich Fahrgeschäfte und Buden, mit ihren bunten Lichtern und Preisen. Während ich zwischen ihnen hindurch gehe und vergeblich nach dem Treiben der Menschen suche, wird mir klar, dass der Jahrmarkt seine Pforten längst geschlossen hat. Es ist kalt und traurig anzusehen, wie die Geschäfte, eben noch bunt beleuchtet und voller Musik, nun kaum mehr als trostlose Holzhütten in einer verlassenen Straße sind. Ich friere, will mir eine Jacke überziehen. Ich greife nach meinem großen Wanderrucksack. Gerade als ich ihn absetze, finde ich mich auf dem Gipfel des Bergs wieder. Das erklärt mir die plötzlich aufkommende Kälte. Ich erinnere mich zuvor an diesem Ort gewesen zu sein. Doch war ich damals nicht alleine. Ich sitze auf einer Bank, vor einem leeren Tisch und genieße den Ausblick. Das Gebirge vor mir erstreckt sich zu einem gewaltigen Panorama und gerade als ich versuche zu verstehen, wie ich hier hin gekommen war, finde ich mich in einem Fahrzeug wieder.

Es ist mein Auto. Die Zeichen dafür waren klar, denn neben der halben Packung Kaugummis, fanden sich einige CDs und mein mich ständig begleitender Kaffeebecher. Zwischen all den Gegenständen in meiner Mittelkonsole, befindet sich eine schwarze Schatulle. Ich ziehe sie vorsichtig heraus. Ich öffne sie. Darin findet sich ein Ring aus Wachs, den ich längst als verloren geglaubt hatte. Ich will mich darüber freuen und ihn anstecken, doch die Straße fordert meine Aufmerksamkeit zurück. Ich fahre durch eine Allee im Herbstkleid bedeckter Bäume. Die Farben schillern durch die untergehende Sonne und machen mir klar, dass die Bilder des Sommers nun vorüber sind. Ich halte an und steige aus. Ich betrete das mir bekannte Café an der Kreuzung, mit dem kleinen Biergarten vor der Tür. Mein üblicher Tisch am Fenster ist ungedeckt. Ich setze mich und sehe eine weiße Postkarte, beschwert durch einen Füller, vor mir liegen.

Ich erwache aus meinem Traum und wieder quält mich diese eine Frage. Eine Frage die ich mich lange nicht zu stellen getraut hatte. Ich hinterfragte mein Tun, überdachte mein gesamtes Handeln der letzten Jahre und das, nur um die Antwort auf diese eine Frage zu finden. Es war keine besonders neue Frage, doch wurde sie nur durch einen ganz besonderen Menschen wieder in mir ausgelöst. Was will ich?

Tag für Tag, versuche ich für mich heraus zu finden, was wohl meine Bestimmung war. Wo ich hin gehen sollte, welches Ziel, welchen Wunsch sich zu verfolgen lohnte. Ich wusste die Antwort auf meine Frage lag irgendwo in mir begraben, doch wo zwischen all dieser Enttäuschung und dem Verdruss sollte ich suchen? Ich begann in mir die Ruhe zu suchen, doch keine wirklich tiefere Erkenntnis wurde laut. Ich bat Freunde um Rat und musste feststellen, dass auch sie auf der Suche nach dem tieferen Sinn und der eigenen Erfüllung waren. So kam ich also nicht weiter und versuchte diesen Weg auf eigene Faust zu meistern. Zuerst konzentrierte ich mich nur bei kleinen Entscheidungen darauf, mir die Frage nach meinem Streben zu stellen. Dann steigerte ich mich und hinterfragte längerfristige Entscheidungen. Mir kam es so vor als würde ich mit jedem mal, wenn ich die Frage in einer bestimmten Situation an mich stellte, ein Stück weiter kommen. Und so wuchs ich an dieser Frage im Alltag und wurde mir Stück für Stück bewusster, was ich eigentlich wollte. Ich bemerkte wie meine Umwelt begann daran zu profitieren, dass ich mich klar zu meinen Wünschen bekennen konnte. Die Umwelt konnte sich viel einfacher an mir orientieren. Ich begann sie zu Formen, allein durch den Ausdruck meines Willens. Doch das war mir nicht genug. Noch ging es nur um einfache Dinge des Alltags. Ich wollte größere Fragen klären. Doch an den weitreichenden Fragen scheiterte mein neuer Ansatz. Er war zwar eine Bereicherung für den Moment, doch ich musste schnell einsehen, dass ich damit allein nicht weiter kam. 

Ich zog mich wieder zurück und versuchte in mich zu kehren und für einige Zeit verdrängte ich die Gedanken wieder, die ich so mühevoll mit mir selbst ausgefochten hatte. Die Zeit verging. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate und so verging das Jahr und ich trug meine Fragen über den Winter mit in den Frühling. Die Unsicherheit machte es mir leicht, nicht weiter alles in Frage zu stellen. Und doch wusste ich, dass es nicht ewig so gehen könnte. Zwar hatte ich viele vertraute Menschen immer um mich gewusst, die mir mit ihren Ratschlägen und Bildern zu helfen versuchten, aber wie wir alle wissen, obliegt die Entscheidung am Ende nur uns selbst. So war ich immer dankbar für all die kostbaren Worte und Gedanken meiner Freunde und Familie, obgleich ich nun selbst die richtigen für mich finden musste.

Heute, sollte es dann endlich soweit sein. Die Antwort auf meine Frage, die ich so lange vor mich hinaus schob, sollte endlich beantwortet werden. Doch warum jetzt? Was unterschied den heutigen Tag von all den anderen, wo ich die Antwort doch längst in mir hätte auffinden können? Es war die schlichte Tatsache, dass ich vor ein paar Tagen versetzt wurde. Nicht nur von irgend jemanden, sondern von einer Person, die ich selbst oft genug zurück geschoben und versetzt hatte. Eine Person die ich nie vergessen hatte, doch ebenso nie den Mut und die Position aufgebracht hatte, mich zu ihr zu bekennen. Jemand von dem ich nicht versetzt werden wollte, weil ich zu besorgt wäre, sie nicht mehr für mich gewinnen zu können. Doch mir blieb nichts, ich musste sie entschuldigen, wie schon sie mich, so oft zuvor. Doch warum war das so? Warum musste sie mich die Jahre hinweg so oft entschuldigen und warum hatte ich mich nie zu ihr bekannt, wenn ich doch wusste, dass sie diejenige war die ich an meiner Seite wissen wollte?

Plötzlich war alles ganz klar. Es ging nicht um ein besonderes Ziel. Es ging nicht um etwas materielles oder irgend ein konstruiertes Bild vom Ideal. Es ging darum, das ich etwas wollte, was nur ich mir geben konnte. Den Mut aufzubringen, für das was ich mir ersehnte einzustehen. Das Risiko des Versagens zu tragen und mir damit mein Glück zu eröffnen. Etwas zu tun, von dem vor allem ich überzeugt war, auch wenn es womöglich nicht zum erhofften Ziel führte. Wer wusste schließlich wie die Frau, deren Hand einst der zweite Ring aus Wachs zierte, auf diese Zeilen reagieren würde. Aber irgendwie war das nicht mehr Kern der Frage. Sie würde ihre Entscheidung für sich treffen. Und ich traf die meine, als ich diese Zeilen für Sie schrieb.

Denn es geht um mich


Donnerstag, 4. Juli 2013

Was uns bleibt

Was uns bleibt - Photo by Ziege
Heute ist einer der ersten Tage, an denen man wieder raus gehen kann. Die Sonne hat sich für ein paar Stunden durchgesetzt und der unerbittliche Regen musste weichen. Ich bin wirklich froh, dass das endlich passiert ist, denn ein paar Sonnenstrahlen hatte ich bitter nötig. Mit jedem Regentag mehr, musste ich feststellen wie ich launischer und nachdenklicher wurde. Bei Zeiten regt mich diese Nachdenkerei so sehr auf, dass ich schon lieber schlafe als mich mir selbst aussetzen zu müssen. Aber gut, man kommt sich nicht aus und drum verbrachte ich dennoch die Stunden mit meinen Gedanken.
Ich saß also Abends in meinem Bett, lauschte dem Regen, wie er auf dem Dach des Wintergartens in tausend kleine Tropfen zerschlug und zum Boden hinab rann. Jetzt wo ich darüber schreibe klingt es irgendwie beruhigend, trostlos traf es aber in diesem Moment besser. In meinen Gedanken kreisten viele Dinge. Erst das alltägliche, dann das kommende und schließlich das vergangene. Wie wahrscheinlich so vielen von uns in solchen Situationen, kamen mir gerade Erinnerungen an die sonnigen Tage. Trostlos war es ja schon draußen. Ich erinnerte mich an die Geburt meiner Tochter, an unseren ersten Sommer und an unsere Tage als junge Familie. Mir viel wieder ein wie verblüfft ich sie ansah, als sie das erste Mal zu mir Papa sagte und wie sie es wochenlang danach nicht wieder tat. Wie glücklich wir waren, als wir erfuhren das wir ein Mädchen erwarteten. Wie wir zum ersten Mal mit unserem Nachwuchs bei den Großeltern vorstellig wurden und alle unserem Glück beiwohnten. Es war viel vergangen seit diesen Tagen, viel um sie in Vergessenheit geraten zu lassen, doch in diesem Moment sprudelten sie nur so in mir hervor, als wären es nur ein paar wenige Tage, die mich von ihnen trennten.
Ich ging noch weiter zurück in meiner Geschichte, traf Sie wieder zum ersten Mal, küsste Sie, fühlte den Herzschlag, hörte ihren Atem. Das zustimmende Grinsen meiner Freunde, der erste Besuch bei ihren Eltern, unser erstes Weihnachten, ihre Haut. Alles war da, jetzt auf gleich und blieb mir für eine Nacht. Ich weiß nicht woher es kam, ich wollte es nicht und dennoch war es da. Ich dachte weiter zu sein. Ich dachte die Tage der Gefühle und des Liebens waren vergangen, doch dieser Moment warf mich zurück. Nach einiger Zeit verstand ich, was da passierte und ich versuchte die Gedanken wieder zu verdrängen, doch ich war unachtsam gewesen und hatte sie zu groß werden lassen. Die Gefühle überkamen mich und so blieb ich gehüllt in meine Erinnerung jener Tage. Ich versuchte nicht weiter mich dagegen zu wehren, denn es hatte keinen Sinn. Es traf mich unvorbereitet und so verzweifelnd schön es in diesem Moment auch war, so schnell verging es auch wieder.
Am nächsten Morgen war ich wieder klar, alles war wieder wie zuvor und doch war ich um eine Erkenntnis reicher geworden. Ich wusste etwas war geblieben. Gut verstaut unter vielen Gedanken und Mauern, lag noch das bisschen Wahrheit dieser Welt begraben. Einige Tage schien ich verwundert über den Gedanken, dass es tatsächlich verschwunden war. Doch nun sah ich, dass ich mich geirrt hatte. Denn wenn ich eines wusste, dann das es nicht einfach endet, wenn es wirklich Liebe war.
Selbst wenn es vergeht, etwas bleibt
Nichtsdestotrotz war es Vergangenheit. Ich weiß, dass es wohl ebenso viele Menschen da draußen gibt, die sich wünschten, dass es diesen unsterblichen Teil der Liebe nie gegeben hätte. Menschen die vergeblich versuchen zu vergessen, die einfach nur glücklich und nicht mehr allein sein wollen. Sie können sich trösten. Die Liebe mag ein unzertrennliches sein und dennoch liegt es an uns sie zu formen. So wie wir es geschafft haben unsere Liebe zum Ende der Beziehung zu führen, so können wir sie auch zur Ruhe und zum guten Miteinander führen. Gleichwohl wir sie aufleben lassen könnten oder unter Schutt und Asche der Vergangenheit begraben. Egal wie wir es anstellen, es finden sich Wege, nur durchtrennen können wir sie nicht. Wer weiß, womöglich finden wir eines Tages wieder einen Menschen, dem wir unsere Liebe schenken können. Vielleicht wird der Abstand so groß, dass das Vergangene kaum mehr ein Hindernis darstellt. Vielleicht finden wir etwas unverhofftes, vielleicht auch etwas erneut. Wir wissen es nicht und im Moment scheint mir das auch gar nicht wichtig. Irgendeinen Weg wird es geben und wer vermag schon vorher zu sagen, was uns in Zukunft bestimmt ist.

Sonntag, 2. Juni 2013

Wir feiern, sagen "Danke" und ihr könnt gewinnen


Heute ist es soweit, Bedingungsloshautnah wird ein halbes Jahr alt! Und als ob das nicht genug wäre, ist heute auch noch der große Tag unserer Shop Eröffnung! Wir freuen uns wie wahnsinnig, denn in den 6 Monaten mit Euch, hat sich wirklich vieles getan und der Blog hat zusammen mit euch wahnsinnig viel bewegt. Über 2000 Besucher zählen wir bis zum heutigen Tage und es werden stetig mehr. Danke, für eure zahlreichen Besuche, eure Emails, Nachrichten und natürlich die Kommentare, die unserem Blog erst zum Leben erwecken. 
Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, ist ein neues "Shop" Symbol in der oberen Leiste hinzu gekommen. Wenn ihr darauf klickt, werdet ihr direkt weiterleitet in unsere immer wachsende Galerie. Dort findet ihr von nun an unsere aktuellsten Bilder, mit Zitaten aus dem jeweiligen Post zum Kauf. Die Bilder welche ihr dort als "PhotoRag" erstehen könnt, werden auf sehr hochwertigem Hahnemühle Baumwollfaser Papier, im 11 Farben Druck, für euch angefertigt. Dieses Verfahren schafft nicht nur brilliante Farben und Schärfe, sondern gibt den Bildern einen ganz eigenen, unverkennbaren Charme. Ob als Dekoration, kleines Präsent oder euer ganz persönliches Motivationsbild, ein Blickfang wird es garantiert. Wir wünschen euch auf jeden Fall schon jetzt wahnsinnig viel Spaß mit diesen Bildern und hoffen, dass euch unser neuer Shop genauso gut gefällt wie uns :-)
Jetzt aber zum wichtigsten Teil! Zur Feier des Tages, haben wir unser aktuellstes Bild drucken lassen und wollen es jetzt unter euch verlosen. Bei dem guten Stück oben im Bild handelt es sich um eines der besagten "PhotoRag" Bilder in der überwältigenden Größe von 60x80cm. Ihr findet es natürlich auch etwas kleiner mit 30x40cm in unserem Shop. Was ihr tun müsst um zu gewinnen? Ganz einfach...
1. Besucht unsere Facebook Seite
2. Markiert unsere Facebook Seite mit "Gefällt mir"
3. Markiert den aktuellsten Post "Geburtstags Gewinnspiel" mit "Gefällt mir"
4. Daumen Drücken
Das Gewinnspiel geht bis zum 14.06.2013 und wir hoffen, dass wir es gemeinsam mit eurer Hilfe bis dahin schaffen, die 100 "likes" Marke auf Facebook zu knacken. Sollten wir das schaffen, legen wir auf den Gewinn auf jeden Fall noch was drauf! Ich bin sooo gespannt ob wir das hin bekommen, also liken, teilen und mit etwas Glück bekommt DU auch bald eine Email mit der ersehnten Gewinnbenachrichtigung.
So und jetzt,
 viel Spaß und viel Glück

Die Ente & die Ziege


Dienstag, 21. Mai 2013

Vom Schweben

Vom Schweben - Photo by Ziege

Wenn man mich heute fragt, müsste ich gestehen, das ich mich verirrt hatte. Vor einigen Monaten begann es, dass sich mein Leben in ein einziges Chaos verwandelte. Es hatte sich vieles verändert. Wege waren unpassierbar geworden, einige sind plötzlich verschwunden und hier und da haben sich wie aus dem Nichts, neue erschlossen. Von dem Leben, wie ich es noch vor einem Jahr führte, ist kaum mehr etwas übrig geblieben. Es hat sich alles so schnell verändert und ich hatte bald die Orientierung verloren. Viele Probleme wuchsen vor sich hin und immer verschwommener wurde für mich der Blick, nach einem Ausweg aus diesem Chaos. Die Situation, in der ich mich befand, wurde mir immer unangenehmer und ich war nur noch in der Hoffnung, dass alles ein gutes Ende nehmen würde. Doch selbst nach welchem Ende ich überhaupt strebte, war mir unklar.

Ich vertiefte mich immer mehr in Träume, über meine Zukunft, über eine Welt wie ich sie gerne hätte. Ich machte mir Bilder, von den etlichen Wegen die vor mir lagen, wie sie wohl aussehen würden und ob an ihrem Ende etwas gutes stehen könnte. Ich versuchte meine Ideale wieder in meiner Lebenswelt zu finden und gleichzeitig einen Weg, meine Lebenswelt an meine Ideale anzugleichen. Doch derweil, verirrte ich mich in diesen Träumen und verlor den Bezug zu meiner Umwelt. Ich war auf der Flucht. Ich floh, weg von der Realität, die mir so unangenehm wurde, hin in eine Welt die mir als eine bessere erschien. Auch wenn ich sie nicht kannte und nicht wusste ob sie gut für mich sein würde, verbrachte ich so viel Zeit wie möglich in ihr. Ich hob ab von der Welt und begann zu schweben, um möglichst wenig Berührungspunkte mit dem Unangenehmen haben zu müssen.

Ich schwebte so einige Zeit. Ständig hoffte ich auf irgendwas. Einen Anruf, eine Email, eine Eingebung, eine Entscheidung. Es gab Tage an denen ging es gut, ein paar Schleier lichteten sich und ich kam für mich ein wenig voran. Das waren die Tage an denen ich zielstrebig arbeitete, genau wusste was ich wollte und woran ich war. Und dann gab es die Tage, an denen ich wieder abhob. Meist kaum einen Schritt über dem Boden und doch genug um sich unantastbar zu wähnen. Es waren rastlose und ermüdende Tage, in denen ich es kaum länger an ein und der selben Stelle aushielt. Ich irrte umher, begann Fehler zu machen, übersah wichtige Signale und schob Aufgaben vor mich hin . Am schlimmsten war es, dass ich das Gefühl hatte, die Dinge um mich herum nicht mehr in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen. So übersah ich nicht nur Gefahren und Fehler, sondern auch das Gute und Schöne um mich herum. Es ist als wäre ich gar nicht mehr richtig da gewesen, als würde ich schlafwandelnd durch diese Welt schweben, suchend nach jemanden der mich wach rüttelt und zurück auf den sicheren Boden holt. Doch wo ist dieser jemand, der es vermag uns wieder Boden unter den Füßen zu geben, wenn wir diesen Boden doch gar nicht mehr berühren wollen?

Lange habe ich überlegt, warum ich überhaupt in diesem eigenartigen Schwebezustand war. Warum ich nicht wieder auf den Boden gekommen bin, um mein Leben in die Hand zu nehmen und irgendwie auf mein Glück hinzuarbeiten. Warum ich so viel Zeit habe verstreichen lassen, ohne irgend einen Sinn. Lange Zeit dachte ich, dass ich nur schweben würde, weil ich in die Situation gedrängt wurde. Aber dann würde das bedeuten, das ich die Verantwortung für mich und meine Umwelt abgegeben hätte. Das konnte ich so nicht stehen lassen. Also blieb mir nur die Erkenntnis, dass ich abhob, weil ich es wollte. Ich versuchte mich von der Welt los zu reißen und nahm das Gegebene einfach nicht mehr als das meinige an. Ich wollte meine heile Welt, also bliebt ich in meiner heilen Welt.

Ewig habe ich mir ersehnt, dass da jemand kommen würde um mich zu berühren, um mich wieder auf meinen Weg zu führen oder mir auf meiner Suche zu helfen. Und es kamen auch immer wieder Menschen, die versuchten mich an der Hand zu nehmen. Sie waren für mich da, aber zurück auf den Boden holen, konnten sie mich nicht. Es gelang nicht, weil ich es nicht zuließ. Ich wollte nicht aufhören zu schweben, denn es hätte bedeutet, dass ich meine Realität hätte annehmen müssen, wie sie tatsächlich war. Ich hätte erst mal akzeptieren müssen, um eine Veränderung zu ermöglichen. Doch genau davor hatte ich Angst.

Schließlich blieb ich in meinem Traum, bis niemand geringeres als die Realität selbst, mir den Schubs zurück auf den Boden der Tatsachen gab. Es waren nicht meine Freunde oder meine Familie, sondern es war das Leben, dass mich hinderte meinen Traum aufrecht zu erhalten. Denn in einem Moment der Ernüchterung sah ich, dass sich über die Monate nichts geändert hatte. Meine Situation blieb unverändert, die Probleme wuchsen weiter und der Traum den ich lebte, war nichts weiter als ein Traum. Also beschloss ich mein Leben zu akzeptieren wie es war, wieder den unangenehmen Boden unter meinen Füßen zu betreten, um ihn in Zukunft so zu pflegen, wie ich ihn mir in meinem Traum ersehnte.
 
Nur wenn wir lernen das Gegebene zu akzeptieren, sind wir befähigt unsere Zukunft zu formen

Ich widme diese Zeilen meinen Eltern, meiner Schwester, der Ziege und meinen Freunden. Sie alle waren für mich da, obwohl ich ihnen viel Kummer bereitet hatte. Danke...

Dienstag, 9. April 2013

Und doch werfen wir es weg

Und doch werfen wir es weg - Photo by Ziege

Mir ist wahnsinnig schlecht. Aber ausnahmsweise nicht, weil ich etwas schlimmes erfahren habe, sondern weil ich einen wahnsinnig schönen Tag hatte. Wir, die Ente und die Ziege, haben uns mit einigen Freunden zu einem etwas verspäteten Osterbrunch getroffen. Ich glaube ich muss nicht viel dazu sagen. Es war viel, es war gut und wir müssen uns wohl morgen noch einmal treffen um die Reste zu verwerten. Ich glaube, wir haben so im Nachhinein betrachtet, noch nicht mal die Hälfte von dem was wir gekauft haben, wirklich gegessen. Zu gierig war unser Blick, als wir gestern gemeinsam durch die Supermarktregale zogen, um unser Brunch mit ausreichend Lebensmitteln auszustatten. Aber was soll's, haben wir uns gedacht. Wir können ja alles auch noch anschließend verwerten. Und irgendjemand freut sich doch immer wenn der Kühlschrank voller wird.

Die Gier. Seit jeher ist Sie eine der Sünden, vor der wir gewarnt werden und dennoch lassen wir uns jeden Tag auf's neue verführen. In diesen typischen smalltalk Situationen, älterer Generationen, hört man dann: "Wir waren ja nicht so" oder "Es wird ja immer schlimmer". Aber ist das wirklich so? Der Begriff Gaumenkitzler, der ja jedermann bekannt sein sollte, kommt aus dem alten Rom und bezeichnet eine Gänsefeder, die man zum Essen reichte. Sinn dieses Instruments war es, sich nach dem Genuss des Festmahls damit selbst zum Erbrechen zu bringen, um anschließen weiter fressen zu können. Ich weiß ja nicht wie es bei den Leuten, die so wagemutige Behauptungen generieren, in der Küchenschublade aussieht, aber ich besitze einen solchen Gaumenkitzler nicht.

Und dennoch muss ich sie in einem Punkt bekräftigen. Wir werden mehr und mehr zu einer Wegwerfgesellschaft. Wir konsumieren immerzu, obwohl wir es womöglich nicht mal brauchen, nur um unsere Gier zu stillen. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, wird es kaum mehr repariert, sondern es landet in der Mülltonne, oftmals noch auf dem Weg zum nächsten Elektromarkt. Nicht mal die Hersteller selbst reparieren noch die eingetroffenen Reklamationen. Und dieses Phänomen zieht sich durch alle Produktebenen. Derweil ist es doch gerade die herausragende Reife einer Weintraube, die sie zu einem Qualitätswein macht. Und der Käse der sich dem Verfall nähert, wird bekanntlich aromatischer und nicht schlechter. Ob es alte Kameras sind, antike Möbelstücke, seltene Musikinstrumente oder Oldtimer, sie alle wären nicht so kostbar für uns, wenn da nicht jemand gewesen wäre der sie repariert und für uns erhalten hätte. Doch wir werfen trotz dieser Erkenntnis weiter weg, nicht nur Gegenstände, sondern auch Werte, Ideale und Freunde. Selbst vor unserem eigenen Leben und der Liebe gibt es keinen Einhalt.

Anstatt aus den Fehlern zu lernen und sie zu beheben, in einem Produkt, in einer Beziehung, in einem System, tauschen wir aus. Wir Leben keinen Fortschritt, sondern wir stagnieren im Konsum und vergessen, dass es manchmal gerade die Fehler an einem Menschen sind, die ihn für uns so liebenswürdig gemacht haben. Wir werfen von heute auf morgen alles weg, um dann an einem Neuen, erneut zu scheitern. Ich mag nicht zu idealistisch klingen, sicherlich gibt es Momente in denen es nichts mehr zu retten gibt. Aber mal ganz ehrlich, meist geben wir weit vorher auf und fragen kaum mehr nach, ob dieser Punkt denn überhaupt schon erreicht sei. Eher zeigen wir uns selbst vermeintliche Indikatoren dafür auf, warum etwas nicht mehr Wert genug ist und stellen viel zu spät fest was wir verworfen haben. Das ist alltäglicher Selbstbetrug, dem wir uns wie es scheint gerne hingeben und den wir zu oft bitterlich bereuen. Doch Selbstbetrug ist natürlich die einfachste Lösung.

Ich für meinen Teil würde mich als guten Konsumenten bezeichnen. Mir nahestehende Menschen würden jetzt wohl lächelnd zustimmen, aber wem soll ich etwas vor machen. Ich schätze neue Sachen, auf die ich mich freuen und die Verpackung herunter reißen kann, gleichsam wie über einen Flohmarkt zu streifen und die einstigen Schätze anderer zu betrachten oder zu erstehen. Ich probiere gerne neues und ich erhalte mir bewährtes. So wie Beziehungen zu den mir vertrauten Menschen. Ich habe wahnsinnig tolle Menschen in meinem Leben kennen lernen dürfen. Einige haben mich nur für eine kurze Zeit begleitet, andere begleiten mich noch heute und wieder andere habe ich durch mein eigenes Fehlverhalten verlieren müssen. Und so habe auch ich Menschen in meinem Leben versucht zu ersetzen, sei es darum weil sie mir schadeten oder weil ich ihnen Schaden zugefügt hatte. Ich fühlte mich alleine und versuchte neue Wege zu beschreiten. Doch Menschen wie die, die ich verloren hatte, fand ich nicht wieder. Ganz im Gegenteil, erst jetzt wo die mir vertrauten weg waren, erfuhr ich was sie mir wirklich bedeuteten. Erst dann erkannte ich oft die Eigenschaften an ihnen, die sie für mich so liebenswürdig und kostbar gemacht hatten. Hinterher ist man wohl immer schlauer und so verteufelte ich oft die Tage, an denen ich aufgab, an diese Menschen zu glauben.

Auch heute habe ich einen Menschen, für den ich meinen Glauben jeden Tag aufs neue prüfe. Es vergeht kaum ein Tag an dem ich mich nicht frage, wie es so weit kommen konnte, was wir falsch gemacht hatten und was ich vermisst hatte an diesem Menschen zu schätzen. Manchmal scheint es zu spät für diese Gedanken zu sein und manchmal wäge ich mich in einem Hoffnungsschimmer. Ob es ein zu spät wirklich gibt, weiß ich nicht. Ich glaube, wenn man etwas wirklich will, nicht nur aus einer Haltung der Gier, sondern aus Liebe, aus Erkenntnis, aus Reife oder auch einfach nur aus Einsicht, dann sollte es kein zu spät geben. Dann ist es Zeit diese Erkenntnisse zu teilen, sich wieder zu positionieren und zu leben. Ich habe die Vollkommenheit dieser Bindung erst im Verlust erkennen dürfen. Das Loslassen war es, das mir dass unersetzliche aufzeigte. Ich hatte etwas wieder gefunden, was ich lange ersehnte und immerzu suchte. Wie konnte es also falsch sein es wieder aufzugreifen, wenn es doch den Verlust von etwas altem brauchte, um das neue und vollkommene zu erkennen.
 

Aus jedem Verlust, erblüht verborgen das Neue

Montag, 25. März 2013

Unser Glück

Unser Glück - Photo by Ziege

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als 14 jähriger Junge mit meiner Mutter zu Tisch saß und mit ihr über das Leben philosophierte. Wir führten einen regen Disput. Angestachelt von ihrem Lächeln, fuhr ich mich fest, in einer leichtfertig geäußerten Behauptung. Ich war zu der Überzeugung gekommen, dass die menschliche Existenz in Anbetracht zu den sonstigen Schöpfungen der Natur, keinen Sinn besäße. Jedes Tier auf unserer Welt diente in meinen Augen einem ganz bestimmten Zweck, um zu einem großen Ganzen beizutragen. Nur der Mensch war in seinem Wesen sinnlos für die Natur, diente grundlegend keinem Zweck und zerstörte mehr und mehr den Lebensraum der anderen Erdbewohner. Nichtmal vor der eigenen Gattung machte der Mensch halt. Das ergab für mich keinen Sinn und ich versuchte meine Mutter davon zu überzeugen, dass jegliches menschliches Leben sinnlos und schädlich für den Fortbestand der Erde sei.

Meine Mutter hörte mir über eine Stunde lang geduldig zu und lächelte. Ich hasste dieses lächeln. Es gab mir immer das Gefühl nicht ernst genommen zu werden und mehr und mehr Argumente vorbringen zu müssen. Ich wollte sie doch überzeugen. Doch sie lächelte immer weiter. Am Ende meiner Rede stellte sie mir nur eine Frage. "Was würdest du also vorschlagen?" Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet. Schnell versuchte ich irgend eine Lösung für das Problem zu finden, doch es viel mir nichts ein, außer die gesamte Menschheit auszulöschen. Also schlug ich eben das vor. Meine Mutter lachte und unser Gespräch war beendet.

Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, blicke ich zwar durch die selben Augen, aber mit einer anderen Perspektive auf die Welt. Ich bin wirklich dankbar für dieses Leben geworden, für die endlosen schönen Augenblicke die ich erfahrend durfte, als Vater, als Bruder und als Freund. Ich muss keine Sorge haben überfallen zu werden, sitze im warmen und habe die freie Wahl wohin ich gehen möchte. Ich brauche mir keine Sorgen zu machen meine Meinung nicht frei äußern zu können, muss nicht stehlen um zu überleben und kann beruhigt einschlafen. Meine Tochter darf in einem befriedeten Land aufwachsen, wird eine Schule besuchen dürfen und einmal frei auswählen welchem Beruf sie nachgeht oder welcher Religion sie angehören möchte. Wir brauchen uns eigentlich um nichts Sorgen zu machen und dennoch war ich damals nicht zufrieden. Nicht weil ich von all dem Guten um uns herum nichts erfahren hatte oder wusste, sondern weil genau dieses Bewusstsein vieles um mich herum so unbegreiflich macht.
Ich konnte einfach nicht verstehen, wie Menschen die in einer solch wunderbaren Welt aufwachsen durften, so ignorant sein konnten. Wie Menschen andere Menschen hassen können. Warum Menschen andere Menschen ausgrenzen. Wie Menschen das Leid und den Hunger ignorieren können. Das Völker einander aufgrund ihrer Herkunft verurteilen und bekriegen und sich dann noch anmaßen, im Namen Gottes zu handeln, wobei ein jeder Gott doch Nächstenliebe fordert. Ich sah keinen Sinn mehr in diesem sinnlosen Morden und der wahnsinnig habgierigen Haltung der Menschheit. Ich sah keinen Sinn in meiner Umwelt und damit auch keinen Sinn mehr in ihrer Existenz.

Über die Jahre lernte ich immer mehr von dem Leid auf der Welt kennen. Ich besuchte soziale Einrichtungen in Bosnien und lernte die Auswirkungen und die Opfer des Bürgerkriegs kennen. Ich sah Orte an denen Massen für deren Religionszugehörigkeit hingerichtet wurden und sah das Leid direkt vor meinen Augen. Das war neu für mich, denn ich kannte größtenteils nur diese surrealen Bilder aus den Medien. Nun spürte ich es hautnah. Die Angst und die Verzweiflung in den Menschen.

Ich werde wohl nie vergessen, wie wir damals in Bosnien eine Einrichtung für verwitwete Frauen besuchten. Die Tage in Bosnien hatten meinen Blick getrübt. Ich war darauf vorbereitet erneut Leid und Elend zu sehen und versuchte dementsprechend meine Erwartungen zu regulieren. Doch als wir an dem bunkerähnlichen Haus ankamen, erfuhr ich genau das Gegenteil von dem, was ich erwartet hatte. Sie weinten nicht, sie lachten. Sie verzweifelten nicht, sondern hielten stark ihre Kinder. Sie flehten nicht, sondern luden uns ein. Erst fühlte ich mich schlecht, ihre aufwendig hergerichteten Speisen anzunehmen, doch sie sagten es würde sie kränken wenn wir nicht essen würden. Wir aßen gemeinsam und unterhielten uns über alles mögliche, wir lachten und tranken, sodass es mir eher wie ein Besuch bei alten Freunden vorkam. Sie nahmen uns auf und erzählten ihre Geschichte, begierig darauf unsere Geschichte zu erfahren. Sie wurden zu Freunden, die ich in diesem Elend nie erwartet hätte. Es war so herzlich, so liebevoll, so bedingungslos.

Diese Erfahrung war es, die meine Perspektive änderte. Ich versuchte von nun an bewusster zu leben. Die Erlebnisse um mich herum aufzusaugen und dankbar zu sein für mein Glück, meine Familie, unseren Wohlstand und mein Leben. Es ging nicht darum auf alles zu verzichten, seinen Wohlstand zu leugnen oder eine künstliche Armut und Demut herzustellen. Es ging nicht darum zu verstehen, wer mir einen Sinn gab oder warum die Menschen so handeln wie sie es taten. Es ging darum sich selbst einen Sinn zu geben, um den Vertrauten und der Umwelt etwas von dem uns zuteil gewordenen Glück ab zu geben. Ich war nie sonderlich reich, aber ich musste auch nie in Armut leben. Also warum sollte ich nicht etwas abgeben. Etwas zu essen, etwas zu spielen oder vielleicht auch einfach nur ein offenes Ohr. Sein Leben in die Hand zu nehmen, sich seinen Verantwortungen zu stellen und die Welt nicht nur zu bewohnen, sondern zu formen. Orientiert am Glauben und in Rücksicht auf das Leben und seine Vielfalt. Das war es worauf es in meinen Augen ankam. Es gelang mir nicht immer, aber wir lernen doch jeden Tag aufs neue.

 
Das Glück liegt in unserer Hand. Es ist an uns es zu nehmen, es zu schätzen und es zu geben

Vor wenigen Tagen saß ich in einem Café, um genau diese Gedanken aufzuschreiben. Ich hatte Kopfhörer auf und wollte mit etwas Musik die Umgebung ausblenden. Ich mag es, wenn ich zwar die Menschen beobachten kann, aber die Geräusche mich nicht in meinen Gedanken belästigen. Doch diesmal schien es nicht zu funktionieren. Etwas störte meine Gedanken und ich nahm meine Kopfhörer ab. Es waren zwei junge Männer mir gegenüber, die sich lauthals unterhielten. Oder besser gesagt sprach der eine und der andere nickte geduldig. Er sprach sehr laut und schien damit schon die Aufmerksamkeit aller anderen umliegenden Gäste auf sich gezogen zu haben. Nachdem es nicht schwer war ihn zu überhören und er sich genau meinem Thema angenommen hatte, lauschte ich ein wenig. Es ging viel um seine kritische Haltung zu unserer Außenpolitik, seinem Verständnis von Religion, seiner Ansicht von Toleranz und Wertschätzung anderer und gleichzeitig um die Ausweisung straffälliger Migranten aus Deutschland. Überhaupt waren mir das zu viele tiefgründige Themen, die er in den kurzen Moment meiner Aufmerksamkeit packte. Aber bei alle diesen Worten viel mir gerade eins auf. Er saß mit seinem stummen Freund vor einem Kamin, schlürfte seinen heißen Kaffee und sprach über die Probleme auf dieser Welt. Doch von Dankbarkeit sprach er nicht.

Samstag, 23. Februar 2013

Wer wir sind


Wer wir sind - Photo by Ziege

Ich darf mich vorstellen? Die Ente. Ein viertel Jahrhundert führe ich nun ein typisches Entenleben. Angefangen als junges Küken, entdeckte ich die Welt im Schatten meiner Eltern. Vor allem im Schatten meiner Mutter, so wie es für ein Küken eben typisch ist. Viele Jahre schwamm ich so, dicht an dicht zum Gefieder meiner schützenden Mutter, bis ich versuchte die Welt auf eigene Faust, zu erkunden. Als ich zu einem jungen Erpel heran wuchs, verlor ich mich hin und wieder in fremden Gewässern. Oft dachte ich dort alleine zu sein, doch heute weiß ich, dass sich immer der schützende Schatten meiner Familie um mich schlug. Doch sowie ich bemerkte wer da war, um mich zu schützen, floh ich aus dem Schatten, um meinen eigenes kleines Entenleben zu führen.

Es ist erst 4 Jahre her, dass ich es schaffte, mich zu lösen um meine eigenen Wege zu beschreiten. Ich versuchte ganz alleine zu stehen. Und es gelang mir. Ich begann mein ganz eigenes Leben, an einem neuen Ort, mit neuen Begegnungen und großen Zielen. Zum ersten mal, so kam es mir vor, trug nur ich die Verantwortung für mein Leben. Ich war so motiviert und glücklich, endlich diesen geheimnisvollen Pfad zu beschreiten, sodass ich keine Angst vor der ungewissen Zukunft tragen musste. Es war mein ganz eigener Tanz ins große Ungewisse. Mein Ententanz.

Es vergingen die Jahre. Jahre in denen ich Menschen begegnete, Entscheidungen traf, Begleiter fürs Leben fand, Begleiter verlor, neue Wege suchte und alte Wege verließ. Sie hätten abwechslungsreicher nicht sein können und veränderten mein Leben in allen Bezügen. Ich wurde geliebt und lernte zu lieben, mir wurde vertraut und ich trug meine Vertrauten, ich wurde gewarnt und brach gleichsam mein Wort. Ich überschritt die Grenzen und viel zu Boden. Ich wurde zum Vater und wieder zum Kind. Immer wieder stand ich vor meinem Spiegel und fragte mich, wer ich eigentlich bin. Gerade in den Zeiten als es nicht mehr zu ertragen war und ich mein Spiegelbild nicht mehr erkennen wollte, viel mir dieser Fremde auf. Wer war das? Und wo war ich geblieben?

Wir alle kennen diese Situationen. Ein Schicksalsschlag, eine falsche Entscheidung, ein zu hohes Risiko und wir meinen das Bild im Spiegel nicht mehr zu erkennen. Es ist schmerzvoll in die eigenen Augen zu blicken und sich eingestehen zu müssen, dieser Mensch zu sein. Und dennoch ist es die unverblümte Wahrheit.

Ich erinnere mich an so viele Aussagen aus meiner Vergangenheit. Als kleines Kind sagen wir: "Das war ich nicht" und zeigen auf jemand anderen. Als vermeintlich erwachsene sagen wir: " Ich weiß nicht was in mich gefahren ist" oder " Du weißt doch, dass ich so nicht bin ". Doch am Ende sind es die gleichen unglaubwürdigen Worte, des kleinen Kindes. Denn Tatsache ist nicht was wir sagen sondern, wie es das Wort schon zu erklären versucht, was wir in die Tat umsetzen. Es ist so viel leichter zu sagen, dass man nicht anders konnte. Es ist so einfach sich eine Ohnmacht einzugestehen, um für das eigene Handeln keine Verantwortung übernehmen zu müssen. 

Doch gleichzeitig wissen wir auch immer, dass wir diese Verantwortung tragen. Unser Handeln wird nicht von unserer Umwelt, unseren Erfahrungen oder dem Schicksal bestimmt, sondern von uns. Wir übernehmen letztendlich die Handlung und geben uns einen Sinn. Und genau darin birgt die Hoffnung. Denn die Entscheidung bleibt bei uns.

In jedem von uns stecken unendlich viele Eigenschaften und Möglichkeiten. Sei es drum, ob es Dinge sind die unserer Veranlagung entspringen, die wir als Kinder gelernt haben oder am eigenen Leibe erfahren mussten. Wir alle sind Liebhaber und Egoisten, Freunde und Feinde, Loyale und Betrüger. Wir tragen all diese Eigenschaften in all ihren Fassetten in uns. Und am Ende bleibt es unsere Entscheidung, welche dieser Eigenschaften wir in uns zu Tage bringen wollen und in die Tat umsetzen. Es ist nicht nötig sich einer Ohnmacht hinzugeben, denn wir sind Mächtig in dem was wir sein möchten.


Wir sind nicht was wir waren, sondern die, zu denen wir uns entschließen zu sein

Am Ende kam ich zu mir und ward verlassen. Doch das Glück liegt auf dem Weg vor uns...