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Samstag, 23. Februar 2013

Wer wir sind


Wer wir sind - Photo by Ziege

Ich darf mich vorstellen? Die Ente. Ein viertel Jahrhundert führe ich nun ein typisches Entenleben. Angefangen als junges Küken, entdeckte ich die Welt im Schatten meiner Eltern. Vor allem im Schatten meiner Mutter, so wie es für ein Küken eben typisch ist. Viele Jahre schwamm ich so, dicht an dicht zum Gefieder meiner schützenden Mutter, bis ich versuchte die Welt auf eigene Faust, zu erkunden. Als ich zu einem jungen Erpel heran wuchs, verlor ich mich hin und wieder in fremden Gewässern. Oft dachte ich dort alleine zu sein, doch heute weiß ich, dass sich immer der schützende Schatten meiner Familie um mich schlug. Doch sowie ich bemerkte wer da war, um mich zu schützen, floh ich aus dem Schatten, um meinen eigenes kleines Entenleben zu führen.

Es ist erst 4 Jahre her, dass ich es schaffte, mich zu lösen um meine eigenen Wege zu beschreiten. Ich versuchte ganz alleine zu stehen. Und es gelang mir. Ich begann mein ganz eigenes Leben, an einem neuen Ort, mit neuen Begegnungen und großen Zielen. Zum ersten mal, so kam es mir vor, trug nur ich die Verantwortung für mein Leben. Ich war so motiviert und glücklich, endlich diesen geheimnisvollen Pfad zu beschreiten, sodass ich keine Angst vor der ungewissen Zukunft tragen musste. Es war mein ganz eigener Tanz ins große Ungewisse. Mein Ententanz.

Es vergingen die Jahre. Jahre in denen ich Menschen begegnete, Entscheidungen traf, Begleiter fürs Leben fand, Begleiter verlor, neue Wege suchte und alte Wege verließ. Sie hätten abwechslungsreicher nicht sein können und veränderten mein Leben in allen Bezügen. Ich wurde geliebt und lernte zu lieben, mir wurde vertraut und ich trug meine Vertrauten, ich wurde gewarnt und brach gleichsam mein Wort. Ich überschritt die Grenzen und viel zu Boden. Ich wurde zum Vater und wieder zum Kind. Immer wieder stand ich vor meinem Spiegel und fragte mich, wer ich eigentlich bin. Gerade in den Zeiten als es nicht mehr zu ertragen war und ich mein Spiegelbild nicht mehr erkennen wollte, viel mir dieser Fremde auf. Wer war das? Und wo war ich geblieben?

Wir alle kennen diese Situationen. Ein Schicksalsschlag, eine falsche Entscheidung, ein zu hohes Risiko und wir meinen das Bild im Spiegel nicht mehr zu erkennen. Es ist schmerzvoll in die eigenen Augen zu blicken und sich eingestehen zu müssen, dieser Mensch zu sein. Und dennoch ist es die unverblümte Wahrheit.

Ich erinnere mich an so viele Aussagen aus meiner Vergangenheit. Als kleines Kind sagen wir: "Das war ich nicht" und zeigen auf jemand anderen. Als vermeintlich erwachsene sagen wir: " Ich weiß nicht was in mich gefahren ist" oder " Du weißt doch, dass ich so nicht bin ". Doch am Ende sind es die gleichen unglaubwürdigen Worte, des kleinen Kindes. Denn Tatsache ist nicht was wir sagen sondern, wie es das Wort schon zu erklären versucht, was wir in die Tat umsetzen. Es ist so viel leichter zu sagen, dass man nicht anders konnte. Es ist so einfach sich eine Ohnmacht einzugestehen, um für das eigene Handeln keine Verantwortung übernehmen zu müssen. 

Doch gleichzeitig wissen wir auch immer, dass wir diese Verantwortung tragen. Unser Handeln wird nicht von unserer Umwelt, unseren Erfahrungen oder dem Schicksal bestimmt, sondern von uns. Wir übernehmen letztendlich die Handlung und geben uns einen Sinn. Und genau darin birgt die Hoffnung. Denn die Entscheidung bleibt bei uns.

In jedem von uns stecken unendlich viele Eigenschaften und Möglichkeiten. Sei es drum, ob es Dinge sind die unserer Veranlagung entspringen, die wir als Kinder gelernt haben oder am eigenen Leibe erfahren mussten. Wir alle sind Liebhaber und Egoisten, Freunde und Feinde, Loyale und Betrüger. Wir tragen all diese Eigenschaften in all ihren Fassetten in uns. Und am Ende bleibt es unsere Entscheidung, welche dieser Eigenschaften wir in uns zu Tage bringen wollen und in die Tat umsetzen. Es ist nicht nötig sich einer Ohnmacht hinzugeben, denn wir sind Mächtig in dem was wir sein möchten.


Wir sind nicht was wir waren, sondern die, zu denen wir uns entschließen zu sein

Am Ende kam ich zu mir und ward verlassen. Doch das Glück liegt auf dem Weg vor uns...






Donnerstag, 14. Februar 2013

Bedingungslos Hautnah


Bedingungslos Hautnah - Photo by Ziege

Es müsste nun 12 Jahre her sein, dass ich die Ziege kennen lernen durfte. Im stolzen Alter von 13 Jahren trafen wir uns das erste Mal, in einem Jugendzentrum. Weil wir wohl beide nicht besser wussten, unseren Stresspolen der Schule und dem Elternhaus zu entfliehen, trafen wir uns mit willkürlich ausgesuchten gleichaltrigen. Wir führten eine mehr oder weniger normale Freundschaft, ärgerten und provozierten uns, rauchten heimlich hinter der Garage, tranken gemeinsam Alkohol und schimpften über unseren grauenvollen Schultag. Auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches und dennoch bahnte sich etwas an. Etwas, dass heute zum Symbol von etwas ganz großem werden sollte. Es sollte eine Freundschaft werden. Eine einzigartige. Eine Bedingungslose.

Bedingungslosigkeit...was für ein Wort. Als ich es zuletzt jemanden sagen hörte, bemerkte eine Freundin "Das kennt doch heut keiner mehr". Ich sagte nicht viel darauf, denn das Wort schoss in meinen Kopf und setzte sich fest, damit ich es nicht wieder verlieren konnte. Es sollte bei mir bleiben, in mir...ich sollte darüber schreiben. Ich wusste nicht wirklich warum es mich so traf. War es die eigene Enttäuschung über die Bedingungslosigkeit die ich vielleicht selbst nie erfahren hatte oder war es einfach nur die Mystik der Bedeutung des Wortes. Bedingungslos! Egal, es war da und es sollte bei mir sein. Es sollte zum Zentrum meiner Gedanken werden und ich versuchte mich darauf einzulassen. Ich dachte mir, so schwer könne es nicht sein, über Bedingungslosigkeit zu schreiben. Schließlich war das ein Wort, zu dem wir alle konkrete Bilder haben. Doch als ich mich vor meine Tastatur setzte und begann mit dem Wort zu jonglieren, blieben die Tasten Stumm. Es wollte mir einfach nichts einfallen. 3 Tage quälte ich mich mit diesem Wort umher und versuchte immer wieder neue Thesen und neue Gedanken darum schwirren zu lassen. Doch es wollte nichts Vernünftiges zu Papier kommen.

Ich unterhielt mich über Bedingungslosigkeit und versuchte in den Gedanken meiner Mitmenschen fündig zu werden, doch es drehte sich immer im Kreis. Immer ging es um bedingungslose Liebe und immer endete das Gespräch mit den Worten "Das gibt es doch heute nicht mehr"
Ich kam so nicht weiter. Also unterhielt ich mich, mit der mir am nächsten stehenden Person. Mit mir selbst. Ich mag diese Form von Selbstgesprächen nicht und dennoch ertappe ich mich ab und zu, wie mein Kopf beginnt zu diskutieren. Nicht mit mir in einer dritten Person, sondern meine Gedanken beginnen eher einen Dialog und versuchen sich gegenseitig zu ergründen. Ich sitze da, bei irgendeiner alltäglichen Handlung und fechte mit mir selbst um die Bedeutung der Dinge. Manchmal nur einen kurzen Moment, manchmal einen halben Tag, bis zu dem Punkt wo ich erleichtert aufatmen kann und weiß, dass ich mir alle Fragen beantwortet habe. Ich wartete also geduldig auf meinen Disput.

Genau so passierte es heute. Nur das ich am Ende nicht sonderlich lange brauchte um meine Suche abzuschließen. Die Antwort auf meine Frage nach der Bedingungslosigkeit lag offensichtlich vor mir, schon seit Tagen. Es war tatsächlich so wie es meine Freunde zu sagen versuchten. Es war ein ausgestorbenes Wort. Nicht nur in den Menschen um mich herum, sondern auch in mir. Es war ein Wort zu dem ich so selten den Bezug suchte, dass auch mir kein konkreteres Bild als das, der bedingungslosen Liebe einfiel.

Und jetzt? Jetzt wo ich das erkannte, schossen mir plötzlich die Bilder der Bedingungslosigkeit meiner Umwelt in den Kopf. Die Bedingungslosigkeit in der Liebe, aber auch die Bedingungslosigkeit in der Freundschaft, der Familie...ich fand selbst die Bedingungslosigkeit im Alltag. Doch was war das eigentlich? Was war diese besondere Eigenschaft, der man nachsagte, dass sie ein Indiz wahrer Liebe sei? Was war dieser "Zusatz" den ich doch nur als eine Bedingung an meine Liebe kannte. Viele von euch kennen das sicherlich von ihrem Partner. Ein Partner der von uns bedingungslose Liebe erwartet und in seiner Erwartungshaltung, gleichsam Bedingungen formuliert. Oder die Freundschaft, die bedingungslos fortgesetzt werden sollte, denn wenn nicht würde sie beendet werden. Ich kannte das Wort Bedingungslos nur in einer missbrauchten und missverstandenen Form, nicht in der Form auf die die Wortzusammensetzung eigentlich schließen ließ.

Aber was war sie dann? Was sollte dieser Zusatz, wenn man ihn doch nicht einfordern konnte, ohne ihn gleichsam zu brechen? Und wieso fand ich ihn so schwer, in all den anderen Dingen. Gab es das überhaupt noch? Hatte es das je gegeben? Irgendetwas, das da draußen ohne jegliche Bedingung gegeben würde?

Ein Kollege eröffnete mir schließlich die Antwort, währen er einer alten Dame die Tür aufhielt. Es war da! Überall um uns herum, wir nannten es nur anders. Wir nannten es nicht nur Liebe, Freundschaft oder Familie, nein es waren diese vielen großen Worte wie Zivilcourage, Leidenschaft, Hingabe, Freude, Loyalität, Vertrauen, Hoffnung, Glaube. Alles was uns als soziale Wesen umgab war, auf irgendeine Art und Weise, in seinem Ideal mit dieser Bedingungslosigkeit verknüpft.
Heute, 12 Jahre nachdem ich die Ziege kennen lernte, haben wir uns zusammen gerauft um ein gemeinsames Projekt zu starten. Unsere Freundschaft, war eine der wenigen wirklich bedingungslosen die ich je hatte. Ich erinnere mich noch gut, als ich vor 2 Jahren mit der Ziege in einem Café saß und das feststellen durfte. Ich war gerade dabei mich bei ihr zu entschuldigen, weil ich mich so lange nicht gemeldet hatte. Doch die Ziege unterbrach mich und sagte:

"Das macht doch unsere Freundschaft erst richtig aus. Wir kennen uns seit 10 Jahren und immer und immer wieder verloren wir den Kontakt. Und dennoch wussten wir immer, dass wir uns melden könnten und alles wie zuvor sein würde" Und die Ziege hatte Recht. Das war das besondere an unserer Freundschaft. Sie war einfach da. Ohne Zweifel, ohne Frage ohne Bedingung

Unser Projekt sollte ein Blog werden, eine kleine Plattform für unsere Gedanken und unsere Kunst. Ein kleiner Ort um das unverblümt und eben bedingungslos und hautnah zu zeigen, was wir sind, was wir versuchen zu sein und was wir glauben zu wissen. Ein Ort unserer Fantasie und ein Ort unserer Realität. Ein Ort voller Gegensätze und gleichsam ein Ort der Einigkeit und Freundschaft. Wir wollen euch einladen, an unserer Welt und unserer Anschauung teilzuhaben. Wollen euch mitnehmen und vielleicht ein Stück weit entführen in unsere Perspektive der Dinge. All das und noch so vieles mehr soll dieser Ort in sich tragen. Genau wie das kleine Wörtchen Bedingungslos. Und gemeinsam soll es unser Ziel sein euch dies hautnah erleben zu lassen. Wir freuen uns auf euren regelmäßigen Besuch und hoffen, dass ihr viel aus unserem Werk schöpfen könnt.

Bedingungslos Hautnah