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Donnerstag, 14. Februar 2013

Bedingungslos Hautnah


Bedingungslos Hautnah - Photo by Ziege

Es müsste nun 12 Jahre her sein, dass ich die Ziege kennen lernen durfte. Im stolzen Alter von 13 Jahren trafen wir uns das erste Mal, in einem Jugendzentrum. Weil wir wohl beide nicht besser wussten, unseren Stresspolen der Schule und dem Elternhaus zu entfliehen, trafen wir uns mit willkürlich ausgesuchten gleichaltrigen. Wir führten eine mehr oder weniger normale Freundschaft, ärgerten und provozierten uns, rauchten heimlich hinter der Garage, tranken gemeinsam Alkohol und schimpften über unseren grauenvollen Schultag. Auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches und dennoch bahnte sich etwas an. Etwas, dass heute zum Symbol von etwas ganz großem werden sollte. Es sollte eine Freundschaft werden. Eine einzigartige. Eine Bedingungslose.

Bedingungslosigkeit...was für ein Wort. Als ich es zuletzt jemanden sagen hörte, bemerkte eine Freundin "Das kennt doch heut keiner mehr". Ich sagte nicht viel darauf, denn das Wort schoss in meinen Kopf und setzte sich fest, damit ich es nicht wieder verlieren konnte. Es sollte bei mir bleiben, in mir...ich sollte darüber schreiben. Ich wusste nicht wirklich warum es mich so traf. War es die eigene Enttäuschung über die Bedingungslosigkeit die ich vielleicht selbst nie erfahren hatte oder war es einfach nur die Mystik der Bedeutung des Wortes. Bedingungslos! Egal, es war da und es sollte bei mir sein. Es sollte zum Zentrum meiner Gedanken werden und ich versuchte mich darauf einzulassen. Ich dachte mir, so schwer könne es nicht sein, über Bedingungslosigkeit zu schreiben. Schließlich war das ein Wort, zu dem wir alle konkrete Bilder haben. Doch als ich mich vor meine Tastatur setzte und begann mit dem Wort zu jonglieren, blieben die Tasten Stumm. Es wollte mir einfach nichts einfallen. 3 Tage quälte ich mich mit diesem Wort umher und versuchte immer wieder neue Thesen und neue Gedanken darum schwirren zu lassen. Doch es wollte nichts Vernünftiges zu Papier kommen.

Ich unterhielt mich über Bedingungslosigkeit und versuchte in den Gedanken meiner Mitmenschen fündig zu werden, doch es drehte sich immer im Kreis. Immer ging es um bedingungslose Liebe und immer endete das Gespräch mit den Worten "Das gibt es doch heute nicht mehr"
Ich kam so nicht weiter. Also unterhielt ich mich, mit der mir am nächsten stehenden Person. Mit mir selbst. Ich mag diese Form von Selbstgesprächen nicht und dennoch ertappe ich mich ab und zu, wie mein Kopf beginnt zu diskutieren. Nicht mit mir in einer dritten Person, sondern meine Gedanken beginnen eher einen Dialog und versuchen sich gegenseitig zu ergründen. Ich sitze da, bei irgendeiner alltäglichen Handlung und fechte mit mir selbst um die Bedeutung der Dinge. Manchmal nur einen kurzen Moment, manchmal einen halben Tag, bis zu dem Punkt wo ich erleichtert aufatmen kann und weiß, dass ich mir alle Fragen beantwortet habe. Ich wartete also geduldig auf meinen Disput.

Genau so passierte es heute. Nur das ich am Ende nicht sonderlich lange brauchte um meine Suche abzuschließen. Die Antwort auf meine Frage nach der Bedingungslosigkeit lag offensichtlich vor mir, schon seit Tagen. Es war tatsächlich so wie es meine Freunde zu sagen versuchten. Es war ein ausgestorbenes Wort. Nicht nur in den Menschen um mich herum, sondern auch in mir. Es war ein Wort zu dem ich so selten den Bezug suchte, dass auch mir kein konkreteres Bild als das, der bedingungslosen Liebe einfiel.

Und jetzt? Jetzt wo ich das erkannte, schossen mir plötzlich die Bilder der Bedingungslosigkeit meiner Umwelt in den Kopf. Die Bedingungslosigkeit in der Liebe, aber auch die Bedingungslosigkeit in der Freundschaft, der Familie...ich fand selbst die Bedingungslosigkeit im Alltag. Doch was war das eigentlich? Was war diese besondere Eigenschaft, der man nachsagte, dass sie ein Indiz wahrer Liebe sei? Was war dieser "Zusatz" den ich doch nur als eine Bedingung an meine Liebe kannte. Viele von euch kennen das sicherlich von ihrem Partner. Ein Partner der von uns bedingungslose Liebe erwartet und in seiner Erwartungshaltung, gleichsam Bedingungen formuliert. Oder die Freundschaft, die bedingungslos fortgesetzt werden sollte, denn wenn nicht würde sie beendet werden. Ich kannte das Wort Bedingungslos nur in einer missbrauchten und missverstandenen Form, nicht in der Form auf die die Wortzusammensetzung eigentlich schließen ließ.

Aber was war sie dann? Was sollte dieser Zusatz, wenn man ihn doch nicht einfordern konnte, ohne ihn gleichsam zu brechen? Und wieso fand ich ihn so schwer, in all den anderen Dingen. Gab es das überhaupt noch? Hatte es das je gegeben? Irgendetwas, das da draußen ohne jegliche Bedingung gegeben würde?

Ein Kollege eröffnete mir schließlich die Antwort, währen er einer alten Dame die Tür aufhielt. Es war da! Überall um uns herum, wir nannten es nur anders. Wir nannten es nicht nur Liebe, Freundschaft oder Familie, nein es waren diese vielen großen Worte wie Zivilcourage, Leidenschaft, Hingabe, Freude, Loyalität, Vertrauen, Hoffnung, Glaube. Alles was uns als soziale Wesen umgab war, auf irgendeine Art und Weise, in seinem Ideal mit dieser Bedingungslosigkeit verknüpft.
Heute, 12 Jahre nachdem ich die Ziege kennen lernte, haben wir uns zusammen gerauft um ein gemeinsames Projekt zu starten. Unsere Freundschaft, war eine der wenigen wirklich bedingungslosen die ich je hatte. Ich erinnere mich noch gut, als ich vor 2 Jahren mit der Ziege in einem Café saß und das feststellen durfte. Ich war gerade dabei mich bei ihr zu entschuldigen, weil ich mich so lange nicht gemeldet hatte. Doch die Ziege unterbrach mich und sagte:

"Das macht doch unsere Freundschaft erst richtig aus. Wir kennen uns seit 10 Jahren und immer und immer wieder verloren wir den Kontakt. Und dennoch wussten wir immer, dass wir uns melden könnten und alles wie zuvor sein würde" Und die Ziege hatte Recht. Das war das besondere an unserer Freundschaft. Sie war einfach da. Ohne Zweifel, ohne Frage ohne Bedingung

Unser Projekt sollte ein Blog werden, eine kleine Plattform für unsere Gedanken und unsere Kunst. Ein kleiner Ort um das unverblümt und eben bedingungslos und hautnah zu zeigen, was wir sind, was wir versuchen zu sein und was wir glauben zu wissen. Ein Ort unserer Fantasie und ein Ort unserer Realität. Ein Ort voller Gegensätze und gleichsam ein Ort der Einigkeit und Freundschaft. Wir wollen euch einladen, an unserer Welt und unserer Anschauung teilzuhaben. Wollen euch mitnehmen und vielleicht ein Stück weit entführen in unsere Perspektive der Dinge. All das und noch so vieles mehr soll dieser Ort in sich tragen. Genau wie das kleine Wörtchen Bedingungslos. Und gemeinsam soll es unser Ziel sein euch dies hautnah erleben zu lassen. Wir freuen uns auf euren regelmäßigen Besuch und hoffen, dass ihr viel aus unserem Werk schöpfen könnt.

Bedingungslos Hautnah

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