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Donnerstag, 4. Juli 2013

Was uns bleibt

Was uns bleibt - Photo by Ziege
Heute ist einer der ersten Tage, an denen man wieder raus gehen kann. Die Sonne hat sich für ein paar Stunden durchgesetzt und der unerbittliche Regen musste weichen. Ich bin wirklich froh, dass das endlich passiert ist, denn ein paar Sonnenstrahlen hatte ich bitter nötig. Mit jedem Regentag mehr, musste ich feststellen wie ich launischer und nachdenklicher wurde. Bei Zeiten regt mich diese Nachdenkerei so sehr auf, dass ich schon lieber schlafe als mich mir selbst aussetzen zu müssen. Aber gut, man kommt sich nicht aus und drum verbrachte ich dennoch die Stunden mit meinen Gedanken.
Ich saß also Abends in meinem Bett, lauschte dem Regen, wie er auf dem Dach des Wintergartens in tausend kleine Tropfen zerschlug und zum Boden hinab rann. Jetzt wo ich darüber schreibe klingt es irgendwie beruhigend, trostlos traf es aber in diesem Moment besser. In meinen Gedanken kreisten viele Dinge. Erst das alltägliche, dann das kommende und schließlich das vergangene. Wie wahrscheinlich so vielen von uns in solchen Situationen, kamen mir gerade Erinnerungen an die sonnigen Tage. Trostlos war es ja schon draußen. Ich erinnerte mich an die Geburt meiner Tochter, an unseren ersten Sommer und an unsere Tage als junge Familie. Mir viel wieder ein wie verblüfft ich sie ansah, als sie das erste Mal zu mir Papa sagte und wie sie es wochenlang danach nicht wieder tat. Wie glücklich wir waren, als wir erfuhren das wir ein Mädchen erwarteten. Wie wir zum ersten Mal mit unserem Nachwuchs bei den Großeltern vorstellig wurden und alle unserem Glück beiwohnten. Es war viel vergangen seit diesen Tagen, viel um sie in Vergessenheit geraten zu lassen, doch in diesem Moment sprudelten sie nur so in mir hervor, als wären es nur ein paar wenige Tage, die mich von ihnen trennten.
Ich ging noch weiter zurück in meiner Geschichte, traf Sie wieder zum ersten Mal, küsste Sie, fühlte den Herzschlag, hörte ihren Atem. Das zustimmende Grinsen meiner Freunde, der erste Besuch bei ihren Eltern, unser erstes Weihnachten, ihre Haut. Alles war da, jetzt auf gleich und blieb mir für eine Nacht. Ich weiß nicht woher es kam, ich wollte es nicht und dennoch war es da. Ich dachte weiter zu sein. Ich dachte die Tage der Gefühle und des Liebens waren vergangen, doch dieser Moment warf mich zurück. Nach einiger Zeit verstand ich, was da passierte und ich versuchte die Gedanken wieder zu verdrängen, doch ich war unachtsam gewesen und hatte sie zu groß werden lassen. Die Gefühle überkamen mich und so blieb ich gehüllt in meine Erinnerung jener Tage. Ich versuchte nicht weiter mich dagegen zu wehren, denn es hatte keinen Sinn. Es traf mich unvorbereitet und so verzweifelnd schön es in diesem Moment auch war, so schnell verging es auch wieder.
Am nächsten Morgen war ich wieder klar, alles war wieder wie zuvor und doch war ich um eine Erkenntnis reicher geworden. Ich wusste etwas war geblieben. Gut verstaut unter vielen Gedanken und Mauern, lag noch das bisschen Wahrheit dieser Welt begraben. Einige Tage schien ich verwundert über den Gedanken, dass es tatsächlich verschwunden war. Doch nun sah ich, dass ich mich geirrt hatte. Denn wenn ich eines wusste, dann das es nicht einfach endet, wenn es wirklich Liebe war.
Selbst wenn es vergeht, etwas bleibt
Nichtsdestotrotz war es Vergangenheit. Ich weiß, dass es wohl ebenso viele Menschen da draußen gibt, die sich wünschten, dass es diesen unsterblichen Teil der Liebe nie gegeben hätte. Menschen die vergeblich versuchen zu vergessen, die einfach nur glücklich und nicht mehr allein sein wollen. Sie können sich trösten. Die Liebe mag ein unzertrennliches sein und dennoch liegt es an uns sie zu formen. So wie wir es geschafft haben unsere Liebe zum Ende der Beziehung zu führen, so können wir sie auch zur Ruhe und zum guten Miteinander führen. Gleichwohl wir sie aufleben lassen könnten oder unter Schutt und Asche der Vergangenheit begraben. Egal wie wir es anstellen, es finden sich Wege, nur durchtrennen können wir sie nicht. Wer weiß, womöglich finden wir eines Tages wieder einen Menschen, dem wir unsere Liebe schenken können. Vielleicht wird der Abstand so groß, dass das Vergangene kaum mehr ein Hindernis darstellt. Vielleicht finden wir etwas unverhofftes, vielleicht auch etwas erneut. Wir wissen es nicht und im Moment scheint mir das auch gar nicht wichtig. Irgendeinen Weg wird es geben und wer vermag schon vorher zu sagen, was uns in Zukunft bestimmt ist.