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Mittwoch, 2. April 2014

Worum es geht

Worum es geht - Photo by Ziege

Ich schließe meine Augen für einen Moment. Die Zeit droht mir stetig zu verrinnen, doch ich nehme es in Kauf. Ich will Klarheit finden und gebe mich meinen Träumen hin. Ich finde mich wieder dort unten am See. Die Sonne liegt tief im Horizont, das Wasser rauscht und kaum ein Boot ist mehr zu sehen. Die Nacht steht kurz bevor und doch scheint es, als würde die Zeit an diesem Ort für einen Moment still stehen. Der Platz unter den Bäumen ist mir ein bekannter, denn ich teilte ihn für eine Sommernacht. Ich lege mich ans Ufer, meine Füße im Wasser und blicke dem Himmel entgegen. Ich sehe in die Sterne und entsinne mich. Ich hatte nur einen Wunsch, an diesem Ort auf dem Hügel. Und doch erschienen mir Sternschnuppen, um ein ganzes Leben voller Wünsche zu erfüllen. Nur einen Wunsch, trug ich in mir und schließlich zu Ihnen hinauf.

Die Lichter der Sterne verschwimmen sogleich. Sie formen sich zu einem Weg, den ich einsam beschreite. Am Wegrand bilden sich Fahrgeschäfte und Buden, mit ihren bunten Lichtern und Preisen. Während ich zwischen ihnen hindurch gehe und vergeblich nach dem Treiben der Menschen suche, wird mir klar, dass der Jahrmarkt seine Pforten längst geschlossen hat. Es ist kalt und traurig anzusehen, wie die Geschäfte, eben noch bunt beleuchtet und voller Musik, nun kaum mehr als trostlose Holzhütten in einer verlassenen Straße sind. Ich friere, will mir eine Jacke überziehen. Ich greife nach meinem großen Wanderrucksack. Gerade als ich ihn absetze, finde ich mich auf dem Gipfel des Bergs wieder. Das erklärt mir die plötzlich aufkommende Kälte. Ich erinnere mich zuvor an diesem Ort gewesen zu sein. Doch war ich damals nicht alleine. Ich sitze auf einer Bank, vor einem leeren Tisch und genieße den Ausblick. Das Gebirge vor mir erstreckt sich zu einem gewaltigen Panorama und gerade als ich versuche zu verstehen, wie ich hier hin gekommen war, finde ich mich in einem Fahrzeug wieder.

Es ist mein Auto. Die Zeichen dafür waren klar, denn neben der halben Packung Kaugummis, fanden sich einige CDs und mein mich ständig begleitender Kaffeebecher. Zwischen all den Gegenständen in meiner Mittelkonsole, befindet sich eine schwarze Schatulle. Ich ziehe sie vorsichtig heraus. Ich öffne sie. Darin findet sich ein Ring aus Wachs, den ich längst als verloren geglaubt hatte. Ich will mich darüber freuen und ihn anstecken, doch die Straße fordert meine Aufmerksamkeit zurück. Ich fahre durch eine Allee im Herbstkleid bedeckter Bäume. Die Farben schillern durch die untergehende Sonne und machen mir klar, dass die Bilder des Sommers nun vorüber sind. Ich halte an und steige aus. Ich betrete das mir bekannte Café an der Kreuzung, mit dem kleinen Biergarten vor der Tür. Mein üblicher Tisch am Fenster ist ungedeckt. Ich setze mich und sehe eine weiße Postkarte, beschwert durch einen Füller, vor mir liegen.

Ich erwache aus meinem Traum und wieder quält mich diese eine Frage. Eine Frage die ich mich lange nicht zu stellen getraut hatte. Ich hinterfragte mein Tun, überdachte mein gesamtes Handeln der letzten Jahre und das, nur um die Antwort auf diese eine Frage zu finden. Es war keine besonders neue Frage, doch wurde sie nur durch einen ganz besonderen Menschen wieder in mir ausgelöst. Was will ich?

Tag für Tag, versuche ich für mich heraus zu finden, was wohl meine Bestimmung war. Wo ich hin gehen sollte, welches Ziel, welchen Wunsch sich zu verfolgen lohnte. Ich wusste die Antwort auf meine Frage lag irgendwo in mir begraben, doch wo zwischen all dieser Enttäuschung und dem Verdruss sollte ich suchen? Ich begann in mir die Ruhe zu suchen, doch keine wirklich tiefere Erkenntnis wurde laut. Ich bat Freunde um Rat und musste feststellen, dass auch sie auf der Suche nach dem tieferen Sinn und der eigenen Erfüllung waren. So kam ich also nicht weiter und versuchte diesen Weg auf eigene Faust zu meistern. Zuerst konzentrierte ich mich nur bei kleinen Entscheidungen darauf, mir die Frage nach meinem Streben zu stellen. Dann steigerte ich mich und hinterfragte längerfristige Entscheidungen. Mir kam es so vor als würde ich mit jedem mal, wenn ich die Frage in einer bestimmten Situation an mich stellte, ein Stück weiter kommen. Und so wuchs ich an dieser Frage im Alltag und wurde mir Stück für Stück bewusster, was ich eigentlich wollte. Ich bemerkte wie meine Umwelt begann daran zu profitieren, dass ich mich klar zu meinen Wünschen bekennen konnte. Die Umwelt konnte sich viel einfacher an mir orientieren. Ich begann sie zu Formen, allein durch den Ausdruck meines Willens. Doch das war mir nicht genug. Noch ging es nur um einfache Dinge des Alltags. Ich wollte größere Fragen klären. Doch an den weitreichenden Fragen scheiterte mein neuer Ansatz. Er war zwar eine Bereicherung für den Moment, doch ich musste schnell einsehen, dass ich damit allein nicht weiter kam. 

Ich zog mich wieder zurück und versuchte in mich zu kehren und für einige Zeit verdrängte ich die Gedanken wieder, die ich so mühevoll mit mir selbst ausgefochten hatte. Die Zeit verging. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate und so verging das Jahr und ich trug meine Fragen über den Winter mit in den Frühling. Die Unsicherheit machte es mir leicht, nicht weiter alles in Frage zu stellen. Und doch wusste ich, dass es nicht ewig so gehen könnte. Zwar hatte ich viele vertraute Menschen immer um mich gewusst, die mir mit ihren Ratschlägen und Bildern zu helfen versuchten, aber wie wir alle wissen, obliegt die Entscheidung am Ende nur uns selbst. So war ich immer dankbar für all die kostbaren Worte und Gedanken meiner Freunde und Familie, obgleich ich nun selbst die richtigen für mich finden musste.

Heute, sollte es dann endlich soweit sein. Die Antwort auf meine Frage, die ich so lange vor mich hinaus schob, sollte endlich beantwortet werden. Doch warum jetzt? Was unterschied den heutigen Tag von all den anderen, wo ich die Antwort doch längst in mir hätte auffinden können? Es war die schlichte Tatsache, dass ich vor ein paar Tagen versetzt wurde. Nicht nur von irgend jemanden, sondern von einer Person, die ich selbst oft genug zurück geschoben und versetzt hatte. Eine Person die ich nie vergessen hatte, doch ebenso nie den Mut und die Position aufgebracht hatte, mich zu ihr zu bekennen. Jemand von dem ich nicht versetzt werden wollte, weil ich zu besorgt wäre, sie nicht mehr für mich gewinnen zu können. Doch mir blieb nichts, ich musste sie entschuldigen, wie schon sie mich, so oft zuvor. Doch warum war das so? Warum musste sie mich die Jahre hinweg so oft entschuldigen und warum hatte ich mich nie zu ihr bekannt, wenn ich doch wusste, dass sie diejenige war die ich an meiner Seite wissen wollte?

Plötzlich war alles ganz klar. Es ging nicht um ein besonderes Ziel. Es ging nicht um etwas materielles oder irgend ein konstruiertes Bild vom Ideal. Es ging darum, das ich etwas wollte, was nur ich mir geben konnte. Den Mut aufzubringen, für das was ich mir ersehnte einzustehen. Das Risiko des Versagens zu tragen und mir damit mein Glück zu eröffnen. Etwas zu tun, von dem vor allem ich überzeugt war, auch wenn es womöglich nicht zum erhofften Ziel führte. Wer wusste schließlich wie die Frau, deren Hand einst der zweite Ring aus Wachs zierte, auf diese Zeilen reagieren würde. Aber irgendwie war das nicht mehr Kern der Frage. Sie würde ihre Entscheidung für sich treffen. Und ich traf die meine, als ich diese Zeilen für Sie schrieb.

Denn es geht um mich